Daten und Fakten

  • Zur Häufigkeit von Suizidhandlungen
  • Sterbefälle durch Selbstmord und Selbstbeschädigung
  • Trends
  • Die Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in Berlin
  • Selbsttötungen in Berlin ab 1992
  • Probleme in der Statistik
  • Suizidhäufigkeiten vor der Wiedervereinigung in der DDR und Bundesrepublik

Zur Häufigkeit von Suizidhandlungen

Wie viele junge Menschen versuchen sich das Leben zu nehmen?
Suizidversuche sind bei jungen Menschen viel häufiger als in anderen Altersgruppen.
Über Suizidversuche werden keine amtlichen Statistiken geführt. Eine Erfassung aller Suizidversuchshandlungen ist zudem sehr schwierig, weil nur ein Teil der suizidalen Handlungen, z.B. die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, bekannt wird. Viele Suizidversuchshandlungen werden nur Beratungsstellen oder Hausärzten bekannt oder bleiben völlig unbehandelt und damit unbekannt.
So überrascht es nicht, dass die Untersuchungen zur Häufigkeit von Suizidversuchen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Einigkeit besteht jedoch in generellen Aussagen wie der Feststellung, dass die Zahl der Suizidversuche in der Gruppe junger Menschen am größten ist. Man kann davon ausgehen, dass die Suizidversuche über alle Altersklassen hinweg ca. zehnmal so häufig sind wie die Suizide. Für die Gruppe junger Menschen kommen auf jeden vollendeten Suizid ca. 20 - 30 Suizidversuche.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland durch Suizid?
In Deutschland starben im Jahr 1999 insgesamt 11.157 Menschen durch eigene Hand. Diese sehr hohe Zahl von Selbsttötungen wird oftmals in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Häufig werden in der Öffentlichkeit die vielen Todesfälle im Straßenverkehr (1999 starben 7772 Menschen durch Verkehrunfälle) eher wahrgenommen, obgleich die Zahl der Suizide sehr viel höher ist. Durchschnittlich sterben Männer doppelt so häufig wie Frauen durch Suizid.
Dieser geschlechtsspezifische Unterschied kommt bei jungen Menschen noch deutlicher zum Ausdruck.
Bei jungen Menschen ist der Suizid die dritthäufigste Todesursache (bei jungen Männern um 20 Jahre sogar an zweiter Stelle der Todesursachen). Fast jede Woche stirbt
in Deutschland ein Kind unter 15 Jahren durch Suizid.
Die Gruppe junger Menschen wird in Untersuchungen bis 25 Jahre gefasst. Im Jahr 1998 haben sich 793 junge Menschen das Leben genommen. Täglich sterben also ein bis zwei junge Menschen durch Suizid in Deutschland.

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Sterbefälle durch Selbstmord und Selbstbeschädigung
Deutschland (Angaben Stat. Bundesamt)
Jahr Geschlecht Altersgruppen
    5 - 10 10 - 15 15 - 20 20 - 25 0 - 25 alle Altersgr.
1990 männlich 2 20 209 591 822 9534
weiblich 5 4 48 180 237 4390
insgesamt 7 24 257 771 1059 13 924
 
1991 männlich 3 24 200 575 802 9 656
weiblich 2 4 65 120 191 4 355
insgesamt 5 28 265 695 993 14 011
 
1992 männlich 4 22 185 489 700 9 326
weiblich 3 9 49 114 175 4 132
insgesamt 7 31 234 603 875 13 458
 
1993 männlich 1 46 181 451 679 8 960
weiblich 1 12 56 101 170 3 730
insgesamt 2 58 237 552 849 12 690
 
1994 männlich 1 29 212 470 712 9 130
weiblich - 17 59 111 187 3 588
insgesamt 1 46 271 581 899 12 781
 
1995 männlich - 38 220 410 668 9 222
weiblich - 14 66 110 190 3 666
insgesamt - 52 286 520 858 12 888
 
1996 männlich 1 35 224 365 625 8 726
weiblich 2 11 52 105 170 3 497
insgesamt 3 46 276 470 795 12 225
 
1997 männlich 1 27 237 363 628 8 841
weiblich 1 7 61 81 150 3 424
insgesamt 2 34 298 444 795 12 265
 
1998 männlich - 34 223 365 622 8 575
weiblich - 16 71 84 171 3 069
insgesamt - 50 294 449 793 11 644
 
1999 männlich - 26 230 364 620 8080
weiblich - 9 56 77 142 3077
insgesamt - 35 286 441 762 11157
 
2000 männlich - 25 206 369 600 8131
weiblich - 8 66 71 145 2934
insgesamt - 33 272 440 745 11065
 
2001 männlich 2 35 207 386 630 8188
weiblich 0 11 54 70 135 2968
insgesamt 2 46 261 456 765 11156
 
2002 männlich 0 16 254 355 625 8106
weiblich 0 8 60 81 149 3057
insgesamt 0 24 314 436 774 11163
 
2003 männlich 0 17 179 358 554 8179
weiblich 0 6 65 90 161 2971
insgesamt 0 23 244 448 715 11150
 
2004 männlich 0 16 172 346 534 7939
weiblich 0 7 47 82 136 2794
insgesamt 0 23 219 428 670 10733
 
2005 männlich 0 18 167 312 497 7523
weiblich 1 7 47 70 125 2737
insgesamt 1 25 214 382 622 10260
 
 2006 männlich  1 19  157 297 474 7225
weiblich  1  8  45  67  121  2540
insgesamt  2  27 202  364 598 9765
2007  männlich 1 14 149 299 463 7009
weiblich  0  9  47 63 119 2393
insgesamt 1 23 196 362 582 9402
 
2008 männlich 2 9 160 296 467 7039
weiblich 0 6  50 80 136 2412
insgesamt  2  15  210  376  603 9451
 
 2009 männlich 1 11 147 297 456  7228
weiblich  0  9  47  75 131  2388
  insgesamt  1  20  194  372  587  9616
 
2010 männlich 1 21 143 331 496 7465
weiblich 0 6  46 86 138 2556
insgesamt 1 27  189 417 634 10 021
 
2011 männlich 0 12 130 330 472 7646
weiblich 0 9 42 79 130 2498
insgesamt 0 21 172 409 602 10144
               
2012 männlich 0 11 139 300 450 7287
weiblich 0 9 45 76 130 2603
insgesamt 0 20 184 376 580 9890
               
2013 männlich 0 6 119 272 397 7449
weiblich 0 12 46 65 123 2627
insgesamt 0 18 165 337 520 10076
               
2014 männlich 0 20 137 260 417 7624
weiblich 0 8 57 64 129 2585
insgesamt 0 28 194 324 546 10209
               
2015 männlich 0 7 133 243 383 7398
weiblich 0 13 63 73 149 2682
insgesamt 0 20 196 316 532 10080

 

 

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Trends

Für die Bundesrepublik ist festzustellen, dass die Suizide bei Betrachtung langer Zeiträume um ein konstantes Mittel schwanken. Berichte von einem dramatischen Anstieg der Suizide sind also zu verneinen.
Für die letzten 30 Jahre lässt sich erfreulicherweise eine generelle Tendenz zum Rückgang von Suiziden feststellen.
Diese Tendenz findet sich auch in anderen Ländern Europas wieder.
Leider ist diese generelle positive Entwicklung für Kinder und Jugendliche zwischen 10 - 20 Jahren nicht zu verzeichnen,
wie auch der Tabelle für das letzte Jahrzehnt zu entnehmen ist. Die Bemühungen um eine Verbesserung der Suizidprävention sind bundesweit zu verstärken.

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Die Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in Berlin

In Berlin lässt sich für die letzten 30 Jahre ebenfalls ein deutlicher Rückgang der Suizidhäufigkeiten feststellen.
Während sich 1970 in Westberlin 917 Menschen das Leben genommen haben, sind es im Jahr 1999 in Berlin (gesamt)
483 Menschen gewesen.
Diese positive Entwicklung ist sicherlich auf eine Vielzahl verschiedener Faktoren im gesellschaftlichen Umfeld zurückzuführen, unter denen auch der Ausbau der Hilfsangebote für Menschen in Krisen seine Bedeutung hat.

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Selbsttötungen in Berlin ab 1992    
               
   

 

Davon im Alter von/bis

 
Jahr
Geschlecht
Insgesamt
unter10
10 -15
15 -20
20 -25
Alle unter 25 J.
               
1992 männlich
339
-
-
3
16
19
  weiblich
211
-
-
3
11
14
  insgesamt
550
-
-
6
27
33
1993 männlich
364
-
1
6
15
22
  weiblich
191
-
-
2
8
10
  insgesamt
555
-
1
8
23
32
1994 männlich
365
-
1
8
13
22
  weiblich
201
-
-
2
5
7
  insgesamt
566
-
1
10
18
29
1995 männlich
428
-
2
8
18
28
  weiblich
205
-
-
8
10
18
  insgesamt
633
-
2
16
28
46
1996 männlich
385
-
1
6
15
22
  weiblich
199
-
-
-
10
10
  insgesamt
584
-
1
6
25
32
1997 männlich
350
-
-
7
13
20
  weiblich
170
-
-
2
5
7
  insgesamt
520
-
-
9
18
27
1998 männlich
294
-
1
10
15
26
  weiblich
153
-
-
3
1
4
  insgesamt
447
-
1
13
16
30
1999 männlich
321
-
3
9
14
26
  weiblich
162
-
-
3
8
11
  insgesamt
483
-
3
12
22
37
2000 männlich
328
-
2
10
18
30
  weiblich
144
-
-
6
5
11
  insgesamt
472
-
2
16
23
41
2001 männlich
310
-
3
5
13
21
  weiblich
124
-
1
3
3
7
  insgesamt
434
-
4
8
16
28
2002 männlich
303
-
0
9
19
28
  weiblich
163
-
1
1
11
13
  insgesamt
466
-
1
10
30
41
2003 männlich
367
-
1
8
22
31
  weiblich
142
-
0
1
11
12
  insgesamt
509
-
1
9
33
43
2004 männlich
291
-
2
4
15
21
  weiblich
107
-
1
3
4
8
  insgesamt
398
-
3
7
19
29
2005 männlich
282
-
1
2
9
12
  weiblich
135
-
1
4
4
9
  insgesamt
417
-
2
6
13
21
 2006  männlich
 294
1
7
22
30
   weiblich
 125
 -
 1
 1
 6
 8
   insgesamt
 419
 -
 2
 8
 28
 38
 2007  männlich
305 
16 
22 
   weiblich
 128
   insgesamt
 433
22 
29 
 2008 männlich
 265
 -
 -
 6
4
 10
   weiblich
 82
 -
 -
 1
 5
 6
   insgesamt
 347
 -
 -
 7
 9
 16
 2009 männlich
201
 -
1
3
10
14
   weiblich
 85
 -
 1
 1
 3
 5
   insgesamt
 286
 -
 2
 4
 13
 19
 2010  männlich
 261
1
-
 8
 18
 27
   weiblich
 105
 
 -
 2
 4
 6
   insgesamt
 366
 1
 0
 10
 22
 33
2011 männlich
253
-
-
-
13
13
  weiblich
100
-
-
4
3
7
  insgesamt
353
-
-
4
16
20
2012 männlich
233
-
-
2
12
14
  weiblich 98 - - 2 3 5
  insgesamt
331
-
-
4
15
19
2013 männlich
230
-
-
-
12
12
  weiblich
115
-
-
2
2
4
  insgesamt 345 - - 2 14 16
2014 männlich  271 - - 4 11 15
  weiblich  103 - - 1 5 6
  insgesamt  374 - - 5 16 21
2015 männlich 316 - - 3 10 13
  weiblich 154 - - 2 6 8
  insgesamt 470 - - 5 16 21


(Quelle: Statistisches Landesamt Berlin)

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Probleme in der Statistik

Jede Statistik über Suizide ist mit Vorsicht zu betrachten.
Es ist davon auszugehen, dass eine Reihe von Suiziden nicht als solche erkannt und erfasst werden. So ist aus Untersuchungen bekannt, dass sich unter der Rubrik KFZ-Unfälle auch Suizide, die mit dem Auto begangen wurden, verbergen.
Insbesondere bei internationalen Vergleichen in Suizidstatistiken sind die unterschiedlichen Tabuisierungen zu bedenken. Es ist davon auszugehen, dass in Regionen, in denen der Suizid stärker tabuisiert ist oder sogar unter Strafe stand (z.B. war der Suizid und der Suizidversuch in England bis in die 60iger Jahre strafbar), die Angehörigen und ein Hausarzt die Todesursache Suizid zu vertuschen suchen.
Es muss zumindest für die Westberliner Suizidhäufigkeit der letzten 20 Jahre stark bezweifelt werden, dass bei der Betrachtung der Berliner Suizidstatistik von annähernd richtigen Zahlen auszugehen ist.
Die Berliner Ärztin Dr. Annemarie Wiegand stellte in einer vergleichenden Untersuchung von Zeitreihen der Todesfälle durch Suizid und ungeklärter Todesfälle fest, dass seit Mitte der siebziger Jahre bei einem erheblichen Rückgang der Suizide die Zahl der Fälle ungeklärter Todesursache rasant anstieg. Nach Frau Dr. Wiegand ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich unter den ungeklärten Todesfällen viele nicht erkannte Suizide befinden.

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Suizidhäufigkeiten vor der Wiedervereinigung in der DDR und Bundesrepublik

Seit ca. 100 Jahren wird in Deutschland Selbstmordgeschehen statistisch erfasst. Bei Betrachtung der Suizidhäufigkeiten nach Regionen fiel schon damals ein Ost/West - Unterschied auf. Insbesondere der sächsische Raum wies sehr hohe Suizidzahlen auf. 1898 erreichte die Selbstmordrate auf "DDR Gebiet" den Wert von 30 Suiziden pro 100.000 Einwohner,
auf "BRD - Gebiet" von 18. In den Jahren 1950 und 1960 ergab sich für das Gebiet der DDR eine Suizidrate von > 30
(pro 100.000 Einwohner) und damit eine der höchsten der Welt. Im Vergleich dazu ist die Selbstmordrate 1991 in den neuen Bundesländern 25, in den alten Bundesländern 15 (pro 100.000 Einwohner).
Unter dem Zwang, alles gesellschaftspolitisch bewerten zu wollen, aber mit einer hohen Suizidrate keine Erfolgsmeldung abgeben zu können, veröffentlichten die sozialistischen Gesundheitsbehörden ab 1961 keine Suizidstatistik mehr.
Das Thema Suizid verschwand weitgehend aus den Medien und damit aus der öffentlichen Diskussion und wurde letztlich zu einem tabuisierten Thema.
Suizidalität in einer Größenordnung von durchschnittlich 5100 Selbsttötungen pro Jahr (davon ca. 360 in Berlin-Ost), wobei ca. 10% junge Menschen unter 25 Jahren waren, bedurfte trotz aller gesellschaftlicher Inakzeptanz einer Beachtung in den medizinischen und psychologisch-sozialen Versorgungseinrichtungen des DDR-Gesundheitswesens. Menschen nach einem Suizidversuch wurden zumeist stationär aufgenommen.
In der Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in der DDR ergab sich ein ähnlicher - allerdings nicht so ausgeprägter - Rückgang in den achtziger Jahren wie in der BRD. Anfang bis Mitte der siebziger Jahre waren die Suizide auffallend häufig.

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Jutta Rahlf-Riermeier, Diplom Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin

6.11.2017
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Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Universität Kassel, Autor diverser Sachbücher