Familiärer Hintergrund

Die Familie

  • Die Krise betrifft die ganze Familie
  • Beispiele kritischer Familiensituationen
     

Die Krise betrifft die ganze Familie

Wie bei dem einzelnen trifft es auch auf die ganze Familie zu, dass in Krisenzeiten bisher verdeckte Spannungen und Konflikte, insbesondere die Probleme in den Beziehungen untereinander, plötzlich und massiv an die Oberfläche kommen. Nicht nur die Jugendlichen, sondern die ganze Familie durchlebt eine Krise. Ein Selbstmordversuch und auch die Selbstmordgefährdung zeigen, dass die Familie ihre Konflikte nicht mehr ohne Hilfe bewältigen kann. Häufig ist in den Familien eine schon lange vorher entstandene Beziehungs - und Kommunikationsstörung festzustellen. Dies kann sich z.B. so auswirken, dass Probleme und Konflikte nicht mehr miteinander ausgetragen, sondern "totgeschwiegen" und "unter den Teppich gekehrt" werden. Oder in der Familie bestimmen Unsicherheit, Unverständnis oder auch Respektlosigkeit den Umgang miteinander. Unterschwellige Vorwürfe und Enttäuschung, unausgesprochener Ärger und Wut haben sich angesammelt und "vergiften" die Atmosphäre.
Betrachtet man die Familiengeschichten, kann man eine gewisse Häufung von Bedingungen feststellen, die zu einem Selbstmordversuch führen können, aber nicht zwangsläufig müssen. Sie können sich auch in anderen selbstzerstörerischen Verhaltensweisen wie Drogenkonsum, Eßstörungen oder psychosomatischen Krankheiten einen Ausdruck verschaffen.

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Beispiele kritischer Familiensituationen

  • Die Familiengeschichte ist von plötzlichen Trennungen, Tod oder Selbstmord eines Verwandten bestimmt. Die schmerzliche Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen und den Gefühlen ist nicht gelungen, das Geschehen zu einem Tabu geworden.
  • Eine Trennung ist nicht real vollzogen, aber ein Beziehungspartner, oft der Vater, ist nicht wirklich anwesend oder nicht "greifbar". Zum anderen Elternteil, der Mutter, kann eine sehr intensive, andere ausschließende Beziehung entstehen. Unerfüllte Wünsche, Enttäuschungen, Lebensängste der Mutter können dann die Bedürfnisse des Kindes an den Rand drängen. Wächst das Kind heran und will selbständig werden, sich lösen, muß es den "Lebensinhalt" der Mutter massiv in Frage stellen. Die Beziehung der Eltern miteinander muß dann zum Thema werden.
  • Konflikte zwischen den Eltern werden über das Kind ausgetragen, es muß Partei ergreifen und ist hin - und hergerissen. Plötzlich sind sich die Eltern wieder einig, die Rollen, die das Kind einnehmen muß, wechseln ständig. Es muß sich ständig den Bedürfnissen der Eltern anpassen, alles ist verwirrend, undurchschaubar. Das Kind wird ausgenutzt und überfordert. Es kann sich nie "richtig" verhalten, da es sich immer gegen ein Elternteil wenden muß.
  • Konflikte werden nicht geklärt, sondern durch Verschweigen oder durch das "Recht des Stärkeren" entschieden. Das Kind erlebt Spannungen, "Explosives" im Untergrund und lernt nicht, sich auszudrücken.
  • Alle Erfahrungen von Gewalt in der Familie, offene oder unterschwellige Feindseligkeit und Haß, Mißhandlungen, sexueller Mißbrauch bestimmen das Selbstwertgefühl. Gewalt durch die Eltern erfahren zu müssen, kann die Schwelle, sich selbst Gewalt anzutun, erheblich verringern. Dazu kommt, dass Gewalterlebnisse in der Familie, besonders sexueller Mißbrauch, in Peinlichkeit und Scham versteckt und verschwiegen, zu einem Familiengeheimnis werden. So kann das Kind sich darüber nicht äußern, muß alles in sich verbergen und gerät so noch mehr in ein Gefühl der Aussichtslosigkeit und Resignation.
  • Auch psychische Gewalt kann zerstören. Dazu gehören z.B. Erniedrigungen, Verspottungen, Entwertungen, übermäßige Kontrolle und Einengung und auch Aussagen wie: "Man hätte dich besser abgetrieben" oder "wenn ich gewußt hätte, wie du bist, hätte ich dich nicht geboren."
    Ganz offenkundig häufen sich solche Familienkonstellationen in der Vorgeschichte der Jugendlichen. In unserer Arbeit können wir die Entwicklung bis hin zu einem Selbstmordversuch deutlich nachzeichnen und nachvollziehen. Man kann sehen, dass sich in den Familien ein starkes Gewalt - und Aggressionspotential aufgestaut hat, das sich in einem Selbstmordversuch entlädt.

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Die nächsten Fortbildungen:

3.7.2017
09:00 - 17:00
Grenzen setzen, im Kontakt bleiben
Birgit Hinsching, Dipl. Sozialpädagogin, Supervisorin DGSv

7.7.2017
09:00 - 17:00
Sexualisiertes Verhalten von Mädchen: Wie männliche Fachkräfte professionell handeln können - Fortbildung nur für Männer
Dorothea Zimmermann, psychologische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, Traumatherapeutin, Sebastian Moritz, Diplom Sozialpädagoge, Supervisor, Systemischer Therapeut

10.7.2017
09:00 - 17:00
Kinder psychisch kranker Eltern
Ines Andre-Korkor, Psychologische Psychotherapeutin

14.7.2017
09:00 - 17:00
Möglichkeiten und Grenzen jugendlichen Drogenkonsumverhaltens in Settings der Jugendhilfe
Sabine Collmann, Diplom Pädagogin, Suchttherapeutin VDR, -Christian Geurden, Diplom Sozialpädagoge Karuna e.V.

8.9.2017
09:00 - 17:00
Das Wesen von Aggression verstehen und erfolgreich (be)handeln - Drei Ausgänge um aggressive Ausbrüche zu verhindern
Jutta Rahlf-Riermeier, Diplom Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin

22.9.2017
09:00 - 17:00
Arbeit mit der Gruppe – Pädagogische und therapeutische Herausforderungen
Claus-Peter Rosemeier, Diplom-Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut, Familien- und Gruppentherapeut, - Anke Rabe, Dipl. Sozialpädagogin und psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapeutin

29.9.2017 und 30.9.2017
09:00 - 17:00
Ängste und Depressionen bei Kindern erkennen
Hilde Gött, Diplom Sozialpädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

5.10.2017 und 6.10.2017
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Borderline und Mutter sein – wie kann das gelingen? – ein Trainingsprogramm für Mütter mit Borderlinestörung
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Suizidgefährdung bei jungen Erwachsenen - Hilfreiche Handlungsstrategien in der Betreuung
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19.10.2017 und 20.10.2017
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Bindungsstörung als Folge von Bindungstraumen - Entstehung und hilfreiche Interventionen
Jutta Rahlf-Riermeier, Diplom Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin