Lehrer-Schüler-Gespräch

Anregungen für ein Lehrer-Schüler-Gespräch

Es ist nicht einfach, einen Leitfaden für ein Krisengespräch aufzustellen, insbesondere bei suizidalen Krisen. Der verständliche Wunsch nach einem "Rezept", einem allgemeingültigen Mittel ist nicht zu erfüllen. Jeder Mensch durchlebt eine Krise auf die für ihn eigene Art und Weise. Jedes Krisengespräch ist anders und sollte auf die individuelle Situation des Schülers eingehen. Es gibt jedoch einige bewährte Vorgehensweisen und Rahmenbedingungen für ein Krisengespräch.

 

Setzen Sie sich bereits vor einem Gespräch mit einem Schüler mit Ihren eigenen Gefühlen zum Thema Suizid auseinander. Nehmen Sie Ihre Betroffenheit, Ihre Angst, Ihr Unbehagen, Ihre Hilflosigkeit aber auch Ihren eventuellen Ärger wahr. Bleiben Sie während des Gespräches im Kontakt zu Ihren eigenen Gefühlen, sprechen Sie sie auch aus. Beispiel: "Als ich von deinem Vorhaben, dir etwas anzutun, gehört habe, bekam ich Angst um dich. Ich möchte nicht, dass dir etwas passiert."

Bleiben Sie authentisch, täuschen Sie dem Schüler nichts vor. Jugendliche, besonders in einer Krisensituation, sind sehr sensibel und spüren deutlich, ob Sie ehrlich sind.

Diskutieren Sie nicht mit dem Schüler über den Sinn oder die Richtigkeit von Suizid. Versuchen Sie vielmehr, seine jetzige, von ihm als ausweglos und bedrohlich empfundene Situation zu verstehen. Vermitteln Sie dem Schüler keinen moralischen Druck, machen Sie ihm keine Schuldgefühle.

Hören Sie einfach zu, und versuchen Sie, seine Situation zu verstehen. Tauchen Sie für einen Augenblick in die Welt des Schülers ein, ohne gleich zu urteilen. Formulieren Sie das, was Sie verstanden haben, sprechen Sie über die Gefühle, die das Gesagte in Ihnen verursacht. Stellen Sie Verständnisfragen. Meiden Sie schnelle Lösungsmöglichkeiten, geben Sie keine Ratschläge. Nehmen Sie das Problem ernst, spielen Sie es nicht herunter.

Setzen Sie sich nicht unter Druck mit einer unmittelbaren Lösung. Achten Sie auf Ihre Grenzen, und schalten Sie professionelle Hilfe ein. In einer Situation, in der der Schüler es zunächst verweigert, Hilfe von einer Beratungsstelle anzunehmen, holen Sie sich Hilfestellung in einem Beratungsgespräch. Teilen Sie danach ihre Erfahrung dem Schüler mit, dies kann ihm helfen, die Schwellenangst abzubauen.

Achten Sie auf folgende äußere Bedingungen:

klares, eingegrenztes Gesprächsangebot,
geeigneter Raum, wo Sie ungestört mit dem Schülersprechen können (nicht im Pausenhof),
klarer Zeitraum, in dem das Gespräch stattfindet (z. B. "in der großen Pause habe ich Zeit und möchte mit dir über deine Probleme reden").


Sichern Sie folgende inneren Voraussetzungen ab:

Äußern Sie schon beim Unterbreiten eines Gesprächsangebots Ihre Besorgnis.
Sprechen Sie im Gespräch Ihre Vermutungen über die Suizidgefährdung eines Schülers klar und offen an. Sie bringen niemanden auf die Idee, sich umzubringen, indem Sie danach fragen. Trauen Sie sich, das Thema Suizid, Todeswunsch oder schon versuchter Suizid direkt anzusprechen.
Zeigen Sie Ihr Interesse am Schüler, und machen Sie ihm ein Hilfeangebot. Versprechen Sie nicht zu viel, versprechen Sie nur das, was Sie wirklich halten können. Sagen Sie nicht: "Ich bin für dich immer da" - weil es einfach nicht stimmt. Es ist wichtig, einem Schüler, der sich in einer Krisensituation befindet, weitere Enttäuschungen zu ersparen.
Machen Sie auf keinen Fall ein Versprechen von Geheimhaltung. Es gibt Situationen, in denen Sie die Ihnen anvertrauten Informationen weitergeben müssen! Zum Beispiel wenn es um eine unmittelbare Lebensgefahr geht, müssen Sie eingreifen.
Vermitteln Sie den Schüler an Beratungsstellen, wo er professionelle Hilfe bekommen kann. Sie können den Kontakt zu der Beratungsstelle nach Absprache mit dem Schüler herstellen. Sie können ihn auch zu dem Erstgespräch begleiten, dies kann ihm helfen, die Schwellenangst zu überwinden.
Sie können weiterhin im Kontakt zu dem Schüler bleiben und ihn bei der Überwindung seiner Krise begleiten.

  

 

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Das Programm 2017 (pdf)

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22.9.2017
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Claus-Peter Rosemeier, Diplom-Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut, Familien- und Gruppentherapeut, - Anke Rabe, Dipl. Sozialpädagogin und psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapeutin

29.9.2017 und 30.9.2017
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13.10.2017
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Sibylle Löschber, Diplom Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Beratungsstelle neuhland

13.11.2017
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Supervisions-Seminar "der schwierige Fall"
Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Universität Kassel, Autor diverser Sachbücher