Kooperation

Kooperation - wo gibt es zusätzliche Hilfe?

Immer wieder machen wir in der Beratungsarbeit die Erfahrung, dass die Lehrer oder auch Mitschüler die eigene Hilfe für einen Menschen in einer Lebenskrise unterschätzen. Sie haben das Gefühl, einem suizidgefährdeten Schüler nicht ausreichend helfen zu können, weil sie das Problem nicht lösen können, weil sie doch nur zuhören und sprechen können und dies auch nur für zehn Minuten. Wir wissen jedoch, dass diese Hilfe unschätzbar wichtig und oftmals damit schon lebensrettend wirkt.

Die Chance der Hilfe liegt in der Beziehung zu dem angesprochenen Lehrer. Zu einer ihm unbekannten Beratungsstelle oder gar an einen psychiatrischen Dienst hätte sich der Jugendliche nicht getraut. Andererseits spürt der angesprochene Lehrer auch schnell die schwere Belastung und vielleicht ein eigenes Bedürfnis nach Unterstützung. So ist es manchmal sinnvoll, dass der angesprochene Lehrer sich selbst an eine Beratungsstelle wendet, die Erfahrung in der Arbeit mit suizidgefährdeten Jugendlichen hat und sich selbst zur Fortführung der eigenen Gespräche oder zur Vorbereitung der Vermittlung von einer psychosoziale Beratungsstelle Unterstützung holt. In einem solchen Gespräch mit einem psychologischen Berater kann auch die Problematik des Einbeziehens der Eltern sensibel besprochen werden. So kann der Lehrer vielleicht seine Schülerkontakte weiter nutzen oder aber gut vorbereitet den Schüler an eine Beratungsstelle vermitteln. Dabei sollte unbedingt beachtet werden, dass die Schüler leicht das Gefühl gewinnen: "Der mag mir auch nicht mehr zuhören, jetzt will er mich an eine Beratungsstelle wegschieben." Deshalb ist es unbedingt wichtig, dem Schüler mitzuteilen: "Ich habe mir viele Gedanken über unser Gespräch gemacht, und da ich mir selbst hilflos vorkam, habe ich auch bei Experten angerufen, um mir Unterstützung zu holen. Das Gespräch fand ich sehr hilfreich, und die Beraterin war sehr nett und hat vorgeschlagen, ob ich nicht gemeinsam mit dir in die Beratungsstelle kommen kann. Diesen Vorschlag finde ich gut." Eine derart vorbereitete "Überweisung" gelingt in der Regel besser als ein unverbindlich in die Hand gedrückter Zettel mit der Anschrift einer Beratungseinrichtung.

 

In jeder Region Deutschlands gibt es verschiedene Dienste, zu denen zunächst einmal Kontakt aufgenommen werden kann. Dies sind die schulpsychologischen Dienste, die zwar in der Regel nicht selbst therapeutisch helfen dürfen, dem Lehrer jedoch beratend zur Seite stehen können und vielleicht andere spezielle Hilfseinrichtungen in der Region kennen. Auch die Jugendämter, die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste oder die Sozialpsychiatrischen Dienste sollten eine Übersicht der geeigneten Beratungseinrichtungen der Region haben. Vielfach werden sie auf psychologische Familien- oder Erziehungsberatungsstellen freier Träger oder der Gemeinde verweisen, die fachlich qualifizierte Hilfe anbieten. Außerdem ist überall in Deutschland rund-um-die-Uhr eine Telefonseelsorgeeinrichtung, meist unter der Rufnummer 11101, zu erreichen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter am Telefon kennen meistens die regionalen Beratungsstellen für Suizidgefährdete.

Besser als eine Kontaktaufnahme erst im "Ernstfall" ist es, im Rahmen des Unterrichts oder von Projekttagen über die sozialpädagogischen und psychologischen Beratungsstellen in der Region zu sprechen (als Projekt alle Einrichtungen und ihre Angebote sammeln) und gemeinsam mit der Klasse die Schwellenangst zu überwinden und einen Besuch einer Beratungsstelle durchzuführen.

Als eine gute Initiative hat es sich in einer Berliner Schule erwiesen, regelmäßig Berater unterschiedlicher Einrichtungen (so auch der Beratungsstelle für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche - neuhland) an festgesetzten Tagen in die Schule zu holen und den Schülern Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch zu geben. Viele Schüler, die sonst den Weg in eine Beratungsstelle nicht schaffen würden, nehmen die Beratung in der Schule wahr.

Zum Online- Programm und zur Anmeldung der Fortbildungsakademie.

Das Programm 2017 (pdf)

Die nächsten Fortbildungen:

5.10.2017 und 6.10.2017
09:00 - 17:00
Borderline und Mutter sein – wie kann das gelingen? – ein Trainingsprogramm für Mütter mit Borderlinestörung
Sigrid Buck-Horstkotte, Diplom Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin (VT), Claudia Kertzscher, Diplomsozialpädagogin, Johanna Gabriel, Diplom Psychologin

13.10.2017 (ausgebucht!)
09:00 - 17:00
Suizidgefährdung bei jungen Erwachsenen - Hilfreiche Handlungsstrategien in der Betreuung
Eva Kohler, Diplom Pädagogin, Sozialtherapeutin, Leiterin TWG neuhland - Marco Saal, Diplom-Sozialpädagoge

19.10.2017 und 20.10.2017
09:00 - 17:00
Bindungsstörung als Folge von Bindungstraumen - Entstehung und hilfreiche Interventionen
Jutta Rahlf-Riermeier, Diplom Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin

6.11.2017
09:00 - 17:00
Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen
Sibylle Löschber, Diplom Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Beratungsstelle neuhland

13.11.2017
09:00 - 17:00
Supervisions-Seminar "der schwierige Fall"
Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Universität Kassel, Autor diverser Sachbücher

16.11.2017
09:00 - 17:00 Uhr
Beratungsarbeit mit Männern
Björn Süfke, Diplom-Psychologe, Gesprächspsychotherapeut, Autor mehrerer Bücher zum Thema "Beratung von Männern"

17.11.2017
09:00 - 17:00 Uhr
Borderline - Beziehungsgestaltung unter erschwerten Bedingungen
Sigrid Meurer, Diplom Psychologin, psychologische Psychotherapeutin, Beratungsstelle neuhland

20.11.2017
09:00 - 17:00 Uhr
Einsatz von Dolmetschern in Beratung und Therapie
Claudia Kruse, Diplom-Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin

23.11.2017 und 24.11.2017
9:00 - 17:00 Uhr
Essstörung - Chancen und Fallen im Umgang mit Betroffenen
Sylvia Baeck, Mitgründerin Dick und Dünn, Buchautorin zum Thema Essstörung

27.11.2017 und 28.11.2017
9:00 - 17:00 Uhr
Sicherheit gewinnen im Umgang mit destruktiven Seiten von Klient*innen. Oder: welchen Nutzen hat Aggression?
Claudia Ehlert, Soziologin, M. A., Supervisorin (DGSv) und Fortbildnerin mit Schwerpunkt Psycho-Traumatologie/Trauma-Pädagogik